Tuesday, January 22, 2008

Nun aber wirklich...





Liebe Leute!

Ich dachte mir: Wenn ich's jetzt nicht mache, dann schaff ich das gar nicht mehr... Und ein guter Anlass ist es ja schon, wenn das neue Jahr beginnt. Also schicke ich euch mal ganz vorne weg die besten Wünsche! Nach Australien zu gehen war und ist für mich ein Traum und genauso wünsche ich euch, dass jeder seinen Träumen ein Stückchen näher kommt und vor allem diese Hürde überwindet, die ganz kurz vor dem realisieren eines Traumes steht, dieser Moment, in dem man denkt „Oh man, warum mach ich denn das hier alles überhaupt, es war doch gar nicht so schlecht vorher“. Aber wenn man es dann gemacht hat, etwas neues angefangen hat (und es ist leider so, dass man immer auf etwas anderes verzichten muss...), dann muss man den Weg auch weiter gehen und diesen kleinen „ich-bin-nie-zufrieden-Mann“ der in deinem Kopf wohnt (Na, wer weiß woher dieses Zitat kommt? Ein Klassiker des deutschen Films... ;-)) zum schweigen bringen. In dem Sinne, alles gute jedem von Euch, die ihr auserwählt seid, meinem erlesenen Zirkel der Rundmail Empfänger anzugehören :-)

Jetzt aber genug Süßholz geraspelt und zu den harten Fakten!

Ich habe mich dazu entschlossen, Euch nicht mit elendig langen Stories zu strapazieren – keine Angst es wird auch keinen Multiple Choice Test geben, wenn ich wieder da bin, um zu testen, wer diese Mails wirklich liest, noch gibt es Extra Creditpoints für's Auswendiglernen einzelner Passagen.

Im Gegenteil, ich schreibe jetzt nur so ein paar Eckpfeiler, wie es mir so ergangen ist und wer dann noch nicht genug hat, mit dem telefonier ich am liebsten noch mal (ist nämlich gar nicht so teuer, wie man denken könnte...).

Das Studium an der University of Melbourne ist jetzt vorbei. Schön war's und ich vermisse jetzt schon das gesellige Beisammensein auf dem South Lawn (einer großen Wiese auf dem Campus umgeben von alterwürdigen viktorianischen Gebäuden à la Harry Potter vor denen sich jedes Wochenende asiatische Hochzeitspärchen einfinden, um schöne Fotos zu machen).

Insgesamt ist das Studium hier entspannter: Im Durchschnitt werden pro Semester 4 Kurse belegt, die dann aber sehr intensiv studiert. Da es einen vergleichbaren Studiengang wie unseren Bachelor nicht gibt, bin ich Dank meiner Hauptfachwahl, in die Pianistensoloklasse mit all diesen unglaublichen Tastentieren gerutscht. Obwohl ich mich einigermaßen deplaziert gefühlt habe, habe ich mich doch nicht entmutigen lassen und fleißig geübt und mit einem grandiosen „bestanden“ abgeschlossen :-) Zugegeben: den Midsemesterbreak habe ich nicht wie vielleicht andere in der Übezelle verbracht, sondern bin nach Sydney geflogen... Sydney hat sich sehr gelohnt, auch wenn es wirklich so touristisch ist wie man denkt: glamour glamour und noch mal glamour. Dabei aber eine blühendes Multi-Kulti-Treiben in den Straßen, Chinatown hat mir sehr gefallen und auch das Conservatorium ist sehr schön in den botanischen Gärten gelegen, mit Blick aufs Meer, versteht sich.

Die nächsten Reisen sollten dann aber erst nach Ende des Semesters Anfang Dezember folgen. Zu diesem Zweck habe ich dann schon immer nach einem Auto Ausschau gehalten. Es hat sich dann auch so ergeben, wie sich hier viele Dinge ergeben, dass ein Kollege seinen alten Holden namens „Herman“ loswerden wollte. Obwohl der gute Viertürer das selbe „Baujahr“ ist wie meine Wenigkeit und der Kilometerzähler irgendwo bei 400 000 Kilometern keine Lust mehr hatte weiterzuzählen, ist er ein guter Wagen. Leider waren wir zu bequem, die Registrierung, Versicherung etc. umzuschreiben und ich habe den Wagen einfach so immer schon gefahren... Böser Fehler, denn dann hat's geknallt und die Versicherung wollte 2000 Dollar. Tja, so kann es kommen, mittlerweile tangiert es mich aber auch nicht mehr so, durch so etwas muss man eben durch und letztendlich bringen einen solche Erlebnisse einen auch irgendwie wieder so richtig nah zu einem selbst, man weiß Dinge wieder anders zu bewerten und zu schätzen, es hätte auch um einiges Schlimmer kommen können (man sagt das immer so daher, aber hätte ich nicht noch im letzten Moment aufs Gaspedal gedrückt, hätte es auch frontal sein können und wer weiß was dann...). So war es ein Bisschen (zugegebenerweise teures aber reparables) Blech. Das schöne ist, wenn man in Australien arbeiten möchte, dann bekommt man auch was und wird auch noch ziemlich gut bezahlt dank florierender Wirtschaftslage. So habe ich einigen Klavierunterricht gegeben, im Restaurant gearbeitet und das beste war: als Masseur auf einem Musikfestival :-)

Das Auto ist repariert und hat mich sicher auf über Great Ocean Road gebracht, die sich von Melbourne nach Westen Richtung Adelaide erstreckt. Hier hat man wirklich alles, was das Outdoorherz begehrt: wunderschöne Strände, dichten Regenwald, endlose Weiten, Seen... Ein Bisschen madig wird einem der Naturgenuss durch die elendigen Kamikaze-Fliegen gemacht: die kennen kein Erbarmen und krabbeln in Nase, Mund, Ohren, egal ob sie dabei selbst draufgehen. Und nicht zu vergessen die Bull Ants: monströse Ameisen, die einfach provisorisch immer beißen wenn sie Hautkontakt bekommen... Aber ansonsten: einfach nur herrlich! Ich werde auch bei Gelegenheit wieder ein paar Fotos auf Studivz stellen der Anschaulichkeit halber ;-)

Mein absoluter Geheimtipp ist und bleibt allerdings: Tasmania, der südlichste Staat Australiens. Etwas kühler, dafür aber unberührter. Obwohl ich die East Coast noch nicht wirklich erkundet habe (abgesehen von einer Stippvisite hoch nach Woodford aufs Folk Festival, das ist in der Nähe von Brisbane) habe ich eben gehört, dass es sehr überlaufen sein soll. Voll von diesen üblen alternativen Aussteiger-Backpackern ;-) Ja ja, man kann seinen eigenen Klischées ja doch nie entkommen :-D

Absoluter Trend hier in Australien: Bohème Bourgois. Heißt soviel wie, wir haben Geld, lassen uns das aber nur daran anmerken, dass wir fairtrade Mahogonymöbel haben und anstatt eines dicken Autos darf natürlich die Hightech-Waterrecycling-Anlage am Haus mit Panoramaview auf St. Kilda Beach nicht fehlen... Ich schreibe das so ironisch, aber eigentlich sympathisiere ich ja schon ein Bisschen mit diesem Lebensstil: „Think rich, look poor.“ wie Andy Warhol sagen würde...Was mir außerdem ganz gut an australischem Lebensstil gefällt ist der ganze Outdoorkram. Überhaupt scheint hier jeder die perfekte Hikingausrüstung samt Allrad-Jeep zu besitzen. Sportlichkeit und gesunde Ernährung werden hier groß geschrieben und Veggie-Bars schießen hier wie Pilze aus dem Boden. Ein weiteres Feature dieser Gesellschaft ist tatsächlich die vielgepriesene Hilfsbereitschaft und Offenheit. Wo sonst würde jemand einem 100 Meter in die Uni folgen, nur um einem klarzumachen, dass ich auf jeden Fall das Fahrrad mit ins Gebäude nehmen sollte, weil es sonst bestimmt gestohlen würde und sich partout nicht zufrieden gibt, bis ich das Rad anständig gesichert habe :-D Außerdem wird hier „Open Door Policy“ wörtlich genommen: Die Sekretäriate in der Uni waren immer offen und der Weg durch die Flur wurde gesäumt durch höfliche Fragen nach dem eigenen Wohlbefinden. Sogar die typischen Fitnessstudio-Angeber- Proleten in den Clubs entschuldigen sich überschwänglichst, selbst wenn man sie selbst noch absichtlich angerämpelt hat. Das irritiert dann doch, zumal man in gewissen Stadtteilen in Deutschland ja nicht einmal in bestimmter Weise in eine bestimmte Richtung gucken darf. Die unbestritten höflichsten Menschen allerdings, dass muss man anerkennen, sind die Asiaten hier. Unglaublich auch die Gastfreundschaft. Ich würde sogar sagen, dass das eines der interessantesten Erfahrungen hier war bisher: Menschen aus allen möglichen Teilen Asiens kennenzulernen. Das ist hier wirklich einfacher als in Deutschland, da es hier so etwas wie „Ausländer“ als isolierte Minderheit quasi nicht gibt, denn jeder der hier auch nur ein Bisschen Zeit verbracht hat, nennt sich Australier. Das ist ein ganz andere Einstellung als ich sie teilweise in Deutschland mitbekommen habe. Vielleicht liegt es auch teils daran, dass die Sprachen nicht so eine große Hürde darstellt. Deutsch als Fremdsprache kann ja durchaus ob seiner Ausnahmefälle frustrierend zu erlernen sein, wie man mir sagte...

Alles in allem kann ich sagen, dass das Verlassen des heimatlichen trauten Hafens und der sicheren Strukturen mir sehr gut tut und mir vor allem gezeigt hat, dass wir alle irgendwie doch viel mehr von dieser Welt und diesem Leben getragen werden als man manchmal annimmt.

So, ich denke, das waren ganz gute abschliessende (wenn auch sehr bedeutungsschwangere) Worte, um Euren Augen erst einmal Entspannung zu goennen. Und zum Abschluss gibt’s noch ein Bisschen leichtere Kost in Form von ein paar Bildchen…

Mit den allerbesten Gruessen vom anderen Ende der Welt!

Euer Clemens

Beautiful view from the cliffs in Otway National Park at the Great Ocean Road


Stevenson Waterfalls


The 12 Apostles - Wovon nunmehr nur noch 6 vorhanden, da die uebrigen vom Meer verschluckt wurden...
Dichter Regenwald irgendwo noerdlich der Great Ocean Road
Der Sven, mein bester Kumpel hier in Melbourne
Mein Fuesse in der Abendsonne am Strand in Tasmanien
Gueldene Loeckchen in Apollo Bay :-)
Rebecca, die suesseste Klavierschuelerin, die ich je hatte :-)

Everybody goes surfin'... Victoria's groesster inland saltlake: staubtrocken, da war wohl nix mit schwimmen.

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